Eine Arbeitsstudie beweist: Auch „Nicht-Arbeitende“ sind gerne gesellschaftlich aktiv

03.09.2013 02:00 von Harald Buwert

 Eine Arbeitsstudie beweist: Auch „Nicht-Arbeitende“ sind gerne gesellschaftlich aktiv.

Aus einem Artikel der „Nachdenkseiten“ über eine Arbeitsstudie einer Forschungsgruppe um den Jenaer Soziologen Klaus Dörre mit dem Titel „Bewährungsproben für die Unterschicht?“:

Es wurden drei Haupttypen und sechs Subtypen von Erwerbsorientierung herausgefunden (die sich überschneiden bzw. untereinander auch austauschen können):

  • Die „Um-Jeden-Preis-Arbeiter/innen“, mit der Unterscheidung zwischen Aussichtsreichen und den Alternativlosen.
  • Die „Als-Ob-Arbeiter/innen“ mit den Subtypen: Schein-Reguläre und Bürgerschaftlich-Engagierten.
  • Die „Nicht-Arbeiter/innen“, darunter wiederum die Ziellosen und die Resigniert-Eingerichteten.

(Über den dritten Typ berichtet der Artikel:) Ein Viertel der in der Studie Befragten (mehrheitlich Frauen) werden dem Typus der „Nichtarbeiter/innen“ zugeordnet. Sie hätten im Vergleich zu den anderen beiden Gruppen ein eher niedriges Bildungs- und Qualifikationsniveau, oft zerrüttete Familienstrukturen und sie hätten meist keine oder nur lange zurückliegende praktischen Erfahrungen in einem erlernten Beruf. Es handele sich um einen sehr heterogenen Personenkreis, von alleinerziehenden Müttern, über ostdeutsche Langzeiterwerbslose oder Menschen mit erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Viele hätten ihr individuelles Handeln bewusst auf ein Leben jenseits der offiziellen Arbeitswelt ausgerichtet. Bei Jüngeren würden oft subkulturelle Szenen (Punks, rechte Szene) zum eigentlichen Lebenszentrum.

Sie bemühten sich (teilweise auch nur vorübergehend) nicht (mehr) um reguläre Erwerbsarbeit. Eine innere Verpflichtung dazu sei nicht (mehr) vorhanden und oft auch im sozialen Umfeld nicht anzutreffen. Die Nichtbeachtung der Erwerbsnorm sei aber keine bewusste Entscheidung, sondern verloren gegangen oder erst gar nicht erworben. Die „Nichtarbeiter/innen“ schreckten oft vor den unbekannten Anforderungen der Arbeitswelt mit Angst zurück. Trotz ihrer Passivität im Arbeitsmarktverhalten seien die „Nichtarbeiter/innen“ jedoch meist durchaus gesellschaftlich aktiv, nur in Einzelfällen treffe man auf Verwahrlosung oder Apathie. Aber ein Teil sei ziellos oder habe sich resigniert eingerichtet (meist ältere oder körperlich eingeschränkte Personen). Viele „Nichtarbeiter/innen“ hätten Kompensationsmechanismen (Tafel, Tätigkeiten in der Schattenwirtschaft) für den finanziellen Mangel entwickelt und sich mit dem Alg II-Bezug abgefunden. Diese Gruppe wende sich frustriert von der Arbeitsverwaltung und ihren Angeboten ab und entwickle teilweise Unterlaufstrategien. Strengere Zumutbarkeitsregeln oder Sanktionen könnten bei dieser Gruppe kaum etwas verändern.

Quelle und Bericht: www.nachdenkseiten.de/?p=18483#more-18483

 

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