Das Prüfverhalten der Hartz IV-Behörden - Wir brauchen ein Recht auf Einkommen

09.08.2012 02:00 von Harald Buwert

Hartz IV, Grundsicherung, Arbeitslosengeld. Unangenehm, das weiß jeder. Muss sein, sagen die meisten. Doch die meisten schauen lieber fort, hören nicht mehr zu, wenn das Thema aufkommt.

Diese Realität in „unserem Land“ ist jedoch übel. Übel sollten nicht geduldet werden.

Ein eklatantes Beispiel aus dem Leben Betroffener im Jahr 2012 zeigt der Text der Diplom-Soziologin Ellen Diederich, Trägerin der Ehrennadel der Stadt Oberhausen. Er ist die Antwort auf den Brief der Mitarbeiterin beim Sozialamt der Stadt Oberhausen, Frau C. Maue, vom 24.5.2012, die Ellen Diederich auffordert, ihr „Heizverhalten“ zu überprüfen. Das Schreiben ist gerichtet an Frau Maue, den Oberbürgermeister, den Kämmerer und Kulturdezernenten und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Oberhausen.

Ein beachtenswerter Brief, der auf den Tisch eines jeden Politikers gehört, bis hinab zum letzten Gemeinderat in dieser Republik:

„Ich habe eine kleine Rente und bekomme ‚Grundsicherung‘. Die Mitarbeiterin des Sozialamtes, Frau Maue hat mir nun vor ein paar Tagen zwei Briefe geschickt. Es geht u.a. um Heizkosten. In diesem Brief sind Wörter der deutschen Sprache benutzt worden, die mir bislang nicht bekannt waren. So z.B. ‚Nichtprüfgrenze‘ oder ‚Heizverhalten‘.
Sprache ist ein zentraler Teil jeder Kultur. Sie sollte auch in Briefen der Verwaltung kulturvoll sein. … Wundere mich nicht, dass ich immer weniger schlafen kann, nachdem einer der Briefe, die viele hunderttausend Menschen erreicht haben, auch bei mir in den Briefkasten flattert: Ihre Wohnung ist zu teuer. Isolieren Sie Ihre Wohnung. (Das geht bestimmt gut von 350 Euro für sämtliche Lebenshaltungskosten im Monat!) Reduzieren Sie ihre Miete oder ziehen Sie aus. Wir werden aus unserem sozialen Umfeld herausgerissen. … Und was ist denn Hartz IV? Hartz IV ist offener Strafvollzug. Es ist die Beraubung von Freiheitsrechten. Hartz IV quält die Menschen, zerstört ihre Kreativität. Wir brauchen ein Recht auf Einkommen. Ein Recht auf ein bedingungsloses Grundeinkommen. … ‚Wenn man das weltweite Arbeitsvermögen betrachtet, so sind in den nächsten zehn Jahren etwa die Hälfte der Menschen überflüssige Menschen, die auf die eine oder andere Weise von diesem Planeten verschwinden müssen‘, sagt die Ökonomin Susan George, eine der Gründerinnen von attac bei einem Vortrag in Stockholm. …“

Der ganze Brief erschien in der „Neuen Rheinischen Zeitung“ und ist nachzulesen auf http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=18054

Zurück

Einen Kommentar schreiben